Retrofit oder Ersatzinvestition? – Strategien für alternde Müllheizkraftwerke

Alternde Müllheizkraftwerke stehen vor einer standortbezogenen Weichenstellung zwischen Retrofitmaßnahmen und Ersatzinvestitionen. Retrofits dienen der technischen Ertüchtigung, der Erfüllung steigender Umwelt- und Betriebsanforderungen sowie der Lebensdauerverlängerung. Gleichzeitig erreichen einzelne Standorte ein technisches Alter, in dem Retrofits die Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit nur begrenzt sichern; hier werden Ersatzanlagen bzw. tiefgreifende Erneuerungen erforderlich. Ein zentraler kurzfristiger Treiber sind die verschärften Anforderungen aus den BVT-Schlussfolgerungen (WI-BREF), die zusätzliche Investitionen in Abgasreinigung, Monitoring und Betriebsführung auslösen können.

Die Studie zeigt in unterschiedlichen Szenarien im Rahmen der Prognose bis 2050 unterschiedliche Transformations- und Investitionspfade: Im Szenario „Technologische Optimierung" prägen technologischer Fortschritt, Ersatzinvestitionen, zusätzliche Neubauten und eine weitgehende Umsetzung von CO?-Minderungsoptionen (bis hin zu CO?-Abscheidung) die Marktentwicklung. Im Szenario „Verdrängung und Stagnation" liegt der Schwerpunkt stärker auf Retrofitmaßnahmen; geringere CO?-Preisimpulse begrenzen zusätzliche CO?-Minderungsinvestitionen. Das Szenario „Versorgungssicherheit" ist durch ein insgesamt niedrigeres Investitionsniveau gekennzeichnet; Ersatz- und Neubauten erfolgen nur selektiv, Retrofits sichern primär die bestehende Entsorgungskapazität. Im Szenario „Fokus Klimaschutz" sinkt die Zahl thermischer Verwertungsanlagen deutlich; gleichzeitig entstehen hohe Investitionsbedarfe durch umfassende Retrofits, gezielte Ersatz- und Neubauprojekte sowie eine weitreichende Implementierung von CO?-Minderungsmaßnahmen. 

Retrofit und Ersatzinvestition sind damit keine Gegensätze, sondern komplementäre, standortabhängige Strategien entlang technischer, regulatorischer (unter anderem WIBREF/BVT) und marktlicher Rahmenbedingungen. Zukunftsfähige Müllheizkraftwerke entstehen dort, wo Anlagenzustand, Defossilisierungs- bzw. Dekarbonisierungsperspektive und Standortrolle im Ent- und Versorgungssystem systematisch in Investitionsentscheidungen integriert werden.
Autor(en)
Maximilian Brending, Dirk Briese, David Litau
Contentpartner
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH
Publikation
37. Abfall- und Ressourcenforum (2026) (April 2026)
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