Ökonomische Potenziale der Kreislaufwirtschaft für den Industriestandort Deutschland
Die Weiterentwicklung von der linearen zur zirkulären Wirtschaft ist für den Industriestandort Deutschland keine rein ökologische Frage, sondern eine wirtschaftliche und strategische Notwendigkeit. Im Mittelpunkt steht die wachsende Rolle der Entsorgungs- und Recyclingbranche als Produzent qualitätsgesicherter Recyclingrohstoffe – und damit als integraler Bestandteil industrieller Wertschöpfungsketten. Vor dem Hintergrund volatiler globaler Märkte, geopolitischer Spannungen und nationaler Besonderheiten werden die Potenziale der Zirkularität im Hinblick auf Ressourcensicherheit, Kostenstabilität und strategische Resilienz analysiert. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Arbeitsmarkt: Die Kreislaufwirtschaft ist ein wachsender Arbeitgeber, der sich inmitten eines tiefgreifenden personellen Strukturwandels befindet.
Das klassische deutsche Wirtschaftsmodell basierte auf einem einfachen, aber lange gut funktionierendem Prinzip: Günstige Energie- und Rohstoffimporte, kombiniert mit der Fertigung und dem Export hochwertiger Industrieprodukte, sorgten jahrzehntelang für Wohlstand und globale Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Modell gerät heute massiv unter Druck. Die COVID-19-Pandemie hat die Fragilität globaler Lieferketten schonungslos offengelegt, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die Energieabhängigkeit in eine existenzielle Krise verwandelt und die geopolitische Rivalität mit China stellt den Zugang zu kritischen Rohstoffen grundsätzlich in Frage. Zudem ist die transatlantische Achse geschwächt. Alte Freundschaften stehen auf dem Prüfstand. Das zwingt Europa eigenständige Wege zu finden und Verantwortung für sich selbst und seine Partner zu übernehmen.