Weidenspreitlagen an Flussufern fördern Biodiversität, Selbstreinigung und Klimaschutz

Durch den großflächigen Einbau technischer Uferbefestigungen an Flüssen in Deutschland haben viele Uferflächen wichtige ökologische Funktionen verloren. Naturnahe, ingenieurbiologische Bauweisen, wie Weidenspreitlagen, können Flussufer stabilisieren und gleichzeitig zum Schutz der biologischen Vielfalt und des Klimas beitragen.

Naturnahe Flüsse und Flussauen sind Zentren der Artenvielfalt und leisten eine Vielzahl wichtiger ökologischer Funktionen [1], [2]. Jedoch wurden die Flusslandschaften in Mitteleuropa seit Jahrhunderten zugunsten der Schifffahrt, des Hochwasserschutzes und intensiver Landnutzung vom Menschen stark verändert. Vor dem Hintergrund eines immer deutlich werdenden Klimawandels und des fortschreitenden Verlustes der Artenvielfalt sucht man verstärkt nach Möglichkeiten, Flüsse und Flussauen wieder in einen naturnäheren Zustand zu überführen. Aufgrund des hohen Nutzungsdrucks in Auen, z. B. durch Landwirtschaft und Siedlungsbau, ist die Durchführung von Renaturierungsprojekten in Deutschland jedoch schwierig [3]. Mit anhaltendem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum wird sich diese Situation auch in absehbarer Zukunft nicht merklich entspannen. Die unmittelbaren Uferbereiche der Flüsse hingegen haben in den meisten Fällen keine weitere wirtschaftliche Bedeutung. Hier bietet sich die Möglichkeit, schnell naturnahe Auenhabitate zu schaffen. Ein Großteil der Flussufer in Deutschland wurde in den letzten Jahrhunderten durch technische Uferbefestigungen, wie z. B. Steinschüttungen, künstlich befestigt (Bild 1). An einigen besonders ausgebauten Bundeswasserstraßen, wie z. B. der Saar, kann der technische Uferschutz bis zu 95 Prozent der Uferflächen ausmachen. Der flächendeckende Uferverbau hat jedoch zu einem Verlust wichtiger ökologischer Funktionen in Flussauen geführt [4]. Die Entfernung künstlicher Uferbefestigungen ist daher die beste Maßnahme, um eine natürliche Uferentwicklung zu fördern.
Autor(en)
Dr. Lars Symmank, Dr. Katharina Raupach
Contentpartner
© Springer Vieweg
Publikation
Wasser und Abfall 07-08 / 2022 (August 2022)
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