Grenzüberschreitender Wassertransfer aus der Meerwasserentsalzung im Nahen Osten

Dieser Beitrag setzt sich mit der Deckung der prognostizierten Süßwasserdefizite in Jordanien und Palästina durch Meerwasserentsalzung am Mittelmeer und Roten Meer sowie Wassertransfer zu den regionalen Bedarfszentren auseinander. Vorgestellt werden alternative Wasserproduktions- und -transferstrategien, die nach einem innovativen methodischen Konzept entwickelt wurden. Es wird gezeigt, dass der sich anbahnenden regionalen Wasserkrise durch grenzüberschreitenden Transfer von entsalztem Meerwasser und Kombination mehrerer Wassertransfervorhaben Einhalt geboten werden kann.

1 Motivation und Zielsetzung Die Projektregion der SALAM-Initiative (Frieden-Initiative), die Jordanien, Israel und die palästinensischen Gebiete umfasst, ist durch semiaride bis aride Bedingungen charakterisiert und von akuter Wasserknappheit betroffen. Die natürlichen Süßwasserressourcen der Region sind größtenteils erschöpft. Wichtige regionale Grundwasserspeicher werden bereits seit Jahren übernutzt,was permanent fallende Grundwasserspiegel zur Folge hat. Aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums, das durch die Flüchtlingsströme aus den angrenzenden Kriegsgebieten noch verstärkt wird, leiden viele Gebiete bereits unter akutem Wassermangel. Auch die Ökosysteme sind von der Wasserknappheit betroffen. Während der Untere Jordan kaum noch nennenswerte Abflüsse aufweist, sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres um etwa 1 m/a [1]. Die im Rahmen der SALAM-Initiative durchgeführten Arbeiten zeigen, dass sowohl Jordanien als auch Palästina auf eine ernste Wasserkrise zusteuern, sofern nicht zusätzliche Süßwasserressourcen bereitgestellt werden. Israel hingegen investiert seit Jahren in den Ausbau der Meerwasserentsalzung (MWE) und wird auch zukünftig in der Lage sein, den steigenden Bedarf an Süßwasser zu decken. Kosteneffiziente und umsetzbare Lösungen werden dringend benötigt, um der sich anbahnenden regionalen Wasserkrise Einhalt zu gebieten. Die prognostizierten Süßwasserdefizite in Jordanien und Palästina können nur durch MWE in Verbindung mit Wassertransfervorhaben gedeckt werden [2]. Aufgrund der Komplexität der Aufgabenstellung sowie des sensiblen politischen Kontexts wird ein transparenter konzeptioneller Ansatz benötigt, mit dem alternative Wasserproduktions-und -transferstrategien partizipativ und multilateral bestimmt sowie bewertet werden können. Der vorliegende Beitrag stellt den entwickelten Ansatz vor und zeigt dessen Anwendung auf die Projektregion.
Autor(en)
Dr.-Ing. Bernd Rusteberg, Philippe de Bourgoing, Dr. Jacob Bensabat
Contentpartner
© Springer Vieweg
Publikation
WasserWirtschaft 07-08 / 2022 (August 2022)
Verkaufspreis
€ 10,00