Wilde Mulde – Revitalisierung und Wirkungsanalyse in Fluss-Auen-Ökosystemen

Im Rahmen des Verbundforschungsprojektes „Wilde Mulde“ wurden im Bereich der Mulde bei Dessau Revitalisierungsmaßnahmen im Fluss und in der Aue umgesetzt. Von Anfang an wurde das Projekt intensiv wissenschaftlich begleitet. Ein Großteil der Maßnahmen ist bereits abgeschlossen, während die Forschung nach abgeschlossener Voranalyse die Wirkungen untersucht. Der Beitrag erläutert Motivation, Herausforderungen und Ergebnisse dieses intensiven Zusammenwirkens von Praxis und Forschung.

Schon seit mehr als zwei Generationen sind fast alle größeren Flüsse in Deutschland massiv verändert. Dazu gehören Laufverkürzungen, die Befestigung von Ufern, die Lenkung der Strömung durch Buhnen sowie Eingriffe in den Wasserhaushalt durch Stauanlagen. Auch die Beräumung von Totholz im Rahmen der Unterhaltung veränderte die Charakteristik der Flüsse stark. Zudem wurden umliegende Auenbereiche entwässert und ausgedeicht sowie Altarme vom Flussschlauch entkoppelt. Vielen Menschen ist daher ein „natürliches Bild" eines Flusses, welches durch Kiesbänke, mäandrierende Ufer und viel natürliches Totholz geprägt ist, nicht mehr gegenwärtig. Dabei sind es gerade die an den Wechsel von Überflutung und Niedrigwasser gebundenen vitalen Fluss-Auen-Ökosysteme, die eine Vielzahl verschiedenster Lebensräume bereitstellen können, die von hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten genutzt werden. Sie sind Hotspots der biologischen Vielfalt. Zudem stellen sie einzigartige und essentielle Ökosystemfunktionen bereit. So können Überflutungsauen z. B. als Filter und Senke für Sedimente und gelöste Stoffe fungieren sowie zum Wasserrückhalt und als Kohlenstoffspeicher dienen. Diese können aber nur dann vollständig und dauerhaft erbracht werden, wenn die ökologische Funktionsfähigkeit von Fluss-Auen-Ökosystemen gegeben ist. Dafür sind eine diverse flussinterne Hydromorphologie und die dynamische Verbindung zwischen Fluss und Aue wesentliche Steuergrößen [1]. Derzeit weisen weniger als 10 % der Fluss-Auen-Ökosysteme in Deutschland die dafür erforderliche ökologische Funktionsfähigkeit auf [2]. Somit besteht ein enormes Potenzial, die biologische Vielfalt in Deutschland durch die Wiederherstellung von Ökosystemfunktionen zu erhöhen. Mit dem Verbundforschungsprojekt Wilde Mulde, wird der Versuch unternommen, an der Mulde einerseits konkrete Revitalisierungsmaßnahmen umzusetzen und andererseits deren Wirksamkeit auf die Bereitstellung von Ökosystemfunktionen zu untersuchen.
Autor(en)
Dr. Chriatiane Schulz-Zunkel, Dr. Carolin Seele-Dilbat, Heiko Schrenner, Georg Rast
Contentpartner
© Springer Vieweg
Publikation
WasserWirtschaft 11 / 2019 (November 2019)
Verkaufspreis
€ 10,00