Hydraulische Berechnungen für die Entwicklung eines Auenstrukturplans an der Elbe in Niedersachsen
Großbewuchs auf den Flussvorländern stellt nach wie vor einen zentralen Diskussionspunkt zwischen Hochwasserschutz und Naturschutz dar, in dem sich oftmals wasserwirtschaftliche und ökologische Ziele konträr gegenüberstehen. In einem Auenstrukturplan sollen die Belange des Hochwasserschutzes und der Ökologie für die Elbe in Niedersachsen zusammengeführt werden. Die Grundlage für den Auenstrukturplan bilden hydraulische Berechnungen mit einem 2-D-HN-Modell. Mit diesem wurde die Wirkung des derzeit vorzufindenden Großbewuchses sowie die Wirkung von geplanten Gehölzrückschnitts-Maßnahmen in ihrer hydraulischen Wirkung auf die Wasserspiegellage bei Hochwasser berechnet.
weitere Autoren sind Dipl.-Ing. Heiko Warnecke Dr. rer. nat. Volker Thiele Die Vorlandflächen der Elbe in Niedersachsen werden bei Hochwasser überströmt und ein Abflussanteil wird über die Vorlandflächen abgeführt. Im Rahmen des Hochwasserschutzes werden vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Betriebsstelle Lüneburg, Fragen von Deicherhöhungen, Deichrückverlegungen, die Ausweisung von Polderflächen und insbesondere die Wirkung von Großbewuchs auf die Wasserspiegellage bei Extremhochwasser diskutiert. Das Institut für Wasserwirtschaft und Umweltschutz (IWU) an der Hochschule Magdeburg wurde beauftragt, die Wirkung des Großbewuchses auf die Wasserspiegellage bei Extremhochwasser in hydraulischen Berechnungen für den Ist-Zustand nachzuweisen und die Wirkung von möglichen Gehölzrückschnitts-Maßnahmen zu untersuchen. Bild 1 zeigt eine Fotografie der Elbe in Niedersachsen aus dem Jahr 2018. Deutlich zu erkennen ist der Ufer- und Vorlandbewuchs sowie die z. T. bis in die Elbe reichende Weichholzaue. Die Ergebnisse der hydraulischen Berechnungen werden als Grundlage für die Entwicklung eines Auenstrukturplans verwendet. Dieser soll die Ansprüche von Wasserwirtschaft und Naturschutz zusammenführen sowie eine abgestimmte Entwicklung von Großbewuchs an der Elbe und auf dem Vorland der Elbe ermöglichen. Im Auenstrukturplan werden Flächen benannt, die für den Hochwasserschutz von besonderer Bedeutung sind, wie bspw. Strömungskorridore in Engpasssituationen, die vorzugsweise frei von Großbewuchs zu halten sind. Zudem werden aber auch Flächen benannt, die aus hydraulischer Sicht weniger relevant sind und bspw. für eine Auewaldsukzession zur Verfügung stehen. Dabei ist grundsätzlich zu beachten, dass es sich vielfach um Eingriffe in prioritäre Lebensraumtypen (v. a. Weichholzaue) handelt, die auch Populationen naturgeschützter Tiere und Pflanzen beeinflussen. Deshalb müssen u. a. Alternativen geprüft und umfangreiche naturschutzfachliche Untersuchungen durchgeführt werden. Ziel ist es, den Erhaltungszustand von Lebensraumtypen und naturgeschützten Arten sowie die Konnektivität im Gebiet nicht zu verschlechtern.
Autor(en)
Prof. Dr.-Ing. Bernd Ettmer, Linda Bromberg, Stefan Orlik, Klaus-Jürgen Steinhoff, Clemens Löbnitz
Contentpartner
© Springer Vieweg
Publikation
WasserWirtschaft 11 / 2019 (November 2019)
Verkaufspreis
€ 10,00