Die Anwendung von Geogittern im Deponiebau und dabei besonders zu berücksichtigende Randbedingungen

Geogitter können als Bewehrungselemente im Deponiebau mehrere Funktionen erfüllen. Sie dienen der Sicherung gegen hangparalleles Gleiten von Abdichtungssystemen. Sie können ungleichmäßige Setzungen insbesondere im Bereich von Zwischenabdichtungen ausgleichen. Stützwände stabilisieren Böschungsfüße nach dem Prinzip der kunststoffbewehrten Erde. Somit dienen Geogitter der Sicherung von Abdichtungssystemen gegen Gleiten und Verformungen oder, nach den gleichen technischen Prinzipien, dem wirtschaftlichen Aspekt der Optimierung des Deponievolumens. In der Planungsphase ist hierbei besonderes Augenmerk auf die Bauausführung zu richten und die geometrischen Randbedingungen sind zu berücksichtigen. Für die Verankerung ist genügend Auflast und somit Platz vorzuhalten. Die Verlegung der Abdichtungskomponenten kann auf sehr steilen und langen Böschungen wegen der eingeschränkten Befahrbarkeit problematisch bis unmöglich sein. Gegebenenfalls sind temporäre Sicherungsmaßnahmen erforderlich.

Abdichtungssysteme im Deponiebau sind geprägt durch ihre hangparallele und geschichtete Ausbildung. Die meistens anzutreffende Kombination von geosynthetischen und mineralischen Komponenten ergibt verschiedene mögliche Gleitlinien, auf denen ein Abdichtungssystem versagen kann. Bei steilen Böschungen sind entsprechend Gleitsicherheitsnachweise für die unterschiedlichen Scherfugen zwischen den Abdichtungskomponenten zu führen. Altdeponien weisen aufgrund der tlw. hohen Scherfestigkeit der Abfälle Neigungen im Bereich 1:2 bis 1:1,5 auf. Ebenso werden bei Neubauten in Basisabdichtungen oftmals sehr steile Neigungen geplant, um das Deponievolumen zu maximieren. Diese Neigungen sind jedoch problematisch, weil i.d.R. trotz Auswahl hervorragend abgestimmter Baustoffe und Produkte die Böschungen nur bis zu einer Neigung von ca. 1:3 rechnerisch standsicher ausgeführt werden können. Hier müssen besondere Maßnahmen ergriffen werden, welche ein besonderes Verfüllmanagement und/oder den Einsatz von zusätzlichen, Zugkraft übernehmenden Geokunststoffen wie Geogittern erforderlich machen.
Autor(en)
Ole Syllwasschy
Contentpartner
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft
Publikation
Recy & Depotech (2016) (November 2016)
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