Kohlenstoffsenke Deponie - Restkohlenstoffgehalt nach Aerobisierung

Die mechanisch biologische Behandlung von Restabfall (MBA) hat das Ziel die enthaltenen organischen Ursprungssubstanzen zu mineralisieren bzw. zu stabilisieren. Dies führt zur deutlichen Verringerung von Emissionen nach der abschließenden Deponierung. Weiters kann eine MBA-Deponie auch als Kohlenstoffsenke betrachtet werden, da ein Teil der stabilisierten Kohlenstoffverbindungen über lange Zeiträume nicht abgebaut wird. Welcher Kohlenstoffanteil schlussendlich langfristig im Deponiegut verbleibt, ist derzeit jedoch nicht bekannt.

Aus den Ergebnissen von Langzeitlaborversuchen zur Bestimmung der Gasbildung (gemäß Ö-NORM S2027 Teil 2, 2012) von Materialien aus MBA-Anlagen und Altdeponien wurde deren Gasbildungspotential abgeschätzt. Dazu wurde zunächst ein mathematisches Modell (log-Normalverteilungsfunktion) der Gasbildung entwickelt, mit dessen Hilfe der Gasbildungsverlauf bis zum Ende der Gasbildung extrapoliert werden kann. Derzeit basiert das Modell auf 185 Langzeitversuchen. Aus dem Kohlenstoffgehalt der Materialien und dem abgeschätzten Gasbildungspotential wurde ein wahrscheinlicher End-TOC-Wert des Deponiegutes errechnet. Für ordnungsgemäß behandelte MBA-Materialien (Grenzwert der Deponieverordnung für GS21 und Ho wird eingehalten) ist einen End-TOC-Wert von > 10 % TM zu erwarten. Diese Abschätzung erfolgte unter der Annahme, dass die Deponie bis zum Abklingen der Gasbildung anaerob bleibt. Über sehr lange Zeiträume gesehen ist jedoch anzunehmen, dass allmählich eine Umstellung auf aerobes Milieu erfolgen wird. Das führt zur Frage, ob nicht unter aeroben Bedingungen eine weitere Mineralisierung erfolgen wird. Aus diesem Grund wurden einige der Langzeitversuche nach Abklingen der Gasfreisetzung aerobisiert. Dazu wurde das Testmaterial durch Druckbelüftung mit Sauerstoff versorgt. Durch Messung der CO 2 -Konzentration im definierten Abluftstrom wurde der Kohlenstoffabbau berechnet. Erste Ergebnisse von 6 Versuchen wurden nach 6 bis 8-monatiger Belüftungsdauer bei der DepoTech 2014 vorgestellt. Derzeit beträgt die Aerobisierungsdauer von insgesamt 8 Langzeitversuchen 6 bis 35 Monate.
Autor(en)
Dipl.-Ing Erwin Binner, Alexandra Pukhnyuk, Dipl.-Ing. Dr. Marion Huber-Humer
Contentpartner
© Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft
Publikation
Recy & Depotech (2016) (November 2016)
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