Die Beweislastumkehr beim Export von gebrauchten Elektro- und Elektronikgeräten
Nach den Feststellungen der EU-Kommission werden derzeit nur rund 65 % der europaweit in Verkehr gebrachten Elektro- und Elektronikgeräte nach ihrer Nutzung getrennt gesammelt. Weniger als die Hälfte davon werde rechtskonform behandelt. Der Rest werde entweder nicht normgerecht behandelt oder illegal in Drittländer ausgeführt. So wurden im Jahr 2008 schätzungsweise 155.000 Tonnen Geräte illegal aus Deutschland nach Afrika (u.a. Ghana, Nigeria und Südafrika) und Asien (u.a. Vietnam, Indien und Philippinen) exportiert.
Regelmäßig behaupten die Exporteure, die Geräte würden im Ausland wieder gemäß
ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung genutzt. Zustand und Qualität der Geräte lassen demgegenüber erwarten, dass ein wesentlicher Anteil nicht funktionsfähig ist. Umgangssprachlich spricht man hier von „Elektroschrott“. Solche
Geräte werden exportiert, um sie im Empfängerland
mit primitivsten Techniken und geringen Kosten auszuschlachten und dabei wertvolle
Ersatzteile und Rohstoffe zu gewinnen. Häufig
erfolgt z.B. eine offene Verbrennung von PVC-ummantelten Kupferkabeln, bei der
hochgiftige Dioxine und Furane entstehen. Die wertlosen Reste werden
unkontrolliert weggeworfen. In Anbetracht der in den Geräten enthaltenen Wertstoffe wie Kupfer und Gold sind dabei selbst Transporte
über weite Entfernungen trotz der damit verbundenen Kosten
(Transport, Zoll etc.) wirtschaftlich interessant. Häufig greift eine Mischfinanzierung auf der Basis funktionsfähiger Geräte sowie von Geräten, die als Quelle von Ersatzteilen verwendet werden, und von Geräten, die für die Rohstoffgewinnung genutzt werden.
Durch entsprechende illegale Abfallverbringungen kommt es nicht nur zu massiven
Umwelt-und Gesundheitsgefährdungen am Bestimmungsort und zu
einem gesteigerten Risiko, dass gefährliche
Stoffe in die Umwelt gelangen, darunter auch Stoffe mit hohem Ozonabbau- und Erderwärmungspotenzial. Vielmehr werden dem deutschen und europäischen Markt auch wichtige Sekundärrohstoffquellen
entzogen. Dabei gehen bei den primitiven Aufbereitungstechniken in den Empfängerländern bis zu 80% der in den Geräten vorhandenen Wertstoffe verloren.
Autor(en)
Dr. Olaf Kropp
Contentpartner
© Lexxion Verlagsgesellschaft mbH
Publikation
AbfallR 06 / 2014 (November 2014)
Verkaufspreis
€ 32,00