Fortschritte im Schneckentempo: Bulgariens Entsorgungswirtschaft entwickelt sich mit Hindernissen

Der Handel mit gestohlenem Metall ist ein ernsthaftes Problem in Bulgarien und mit der umstrittenen Gesetzesverordnung wollte ihm der Gesetzgeber Einhalt gebieten. Nun stellt sich dabei aber nicht nur das Problem, dass Bulgariens Recyclingbranche durch die Neuerung massenhafte Firmenpleiten und den Verlust tausender Arbeitsplätze befürchtet, sondern auch dass noch keine einzige der 264 bulgarischen Gemeinden überhaupt einen kommunalen Wertstoffhof eingerichtet hat.

(24.11.2014) Grenzblockaden sind in Bulgarien ein beliebtes Mittel für Interessensgruppen zur Durchsetzung ihrer Forderungen. Zuletzt blockierten Mitte Juli fast 100 Lastwagen bulgarischer Schrotthändler den Grenzübergang Kapitan Andreevo zur Türkei, um gegen das Inkrafttreten einer Klausel des bereits vor zwei Jahren verabschiedeten Gesetzes zur Abfallverarbeitung zu protestieren. Ihr zufolge sollten Bulgariens Bürger zum 13. Juli 2014 das Recht verlieren, Wertstoffhändlern ihren Metallschrott zu verkaufen. Stattdessen sollten sie künftig ausgediente Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen bei kommunalen Sammelstellen unentgeltlich abgeben müssen. Wirtschaftsverbände, darunter die Assoziation der bulgarischen Recycling-Industrie (ARI) und die Bulgarische Assoziation für Recycling (BAR), forderten deshalb unisono einen Aufschub des Verkaufverbots für Altmetalle bis zum Jahresende 2015. Schließlich zeigten sich Bulgariens Volksvertreter einsichtig und verständigten sich in der Parlamentarischen Kommission für Umwelt und Wasser am 16. Juli 2014 mehrheitlich darauf, den Bürgern die Veräußerung von Metallschrott an Wertstoffhändler noch bis zum Ende des Jahres 2015 zu gestatten. ARI-Vorsitzender Ivo Georgiev hofft nun, Bulgariens Volksversammlung möge das Abfallwirtschaftsgesetz erneut novellieren und die umstrittene Klausel endgültig streichen: „Wenn das nicht passiert, werden einige Firmen in die Schattenwirtschaft abtauchen“, warnt er... Unternehmen, Behörden + Verbände: Eggersmann Anlagenbau Autorenhinweis: Frank Stier, Sofia (Bulgarien) Foto: F. Stier
Autor(en)
Frank Stier
Contentpartner
© Deutscher Fachverlag (DFV)
Publikation
Entsorga 08 / 2014 (November 2014)
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