E-Schrottrecycling – Stoffströme, wirtschaftliche Potenziale und Verwertungswege

Die hinreichende und wirtschaftlich auskömmliche Versorgung mit Rohstoffen ist für den Technologiestandort Deutschland langfristig unabdingbare Voraussetzung und größte Herausforderung zugleich. Dem Recycling von Sekundärrohstoffen kommt in diesem Zusammenhang eine zunehmend wichtigere Rolle zu. In Elektro(nik)-Altgeräten befinden sich notwendige industrielle Rohstoffe. Aber anstatt die Potenziale besser auszuschöpfen, erlauben wir uns heute noch einen leichtfertigen Umgang mit ausgedienten Altgeräten und nehmen Schlupflöcher in billige Entsorgungswege in Kauf. Die Novelle des ElektroG ist eine Chance, auf gewonnenen Erfahrungen aufzubauen und das Recycling von Elektro(nik)-Altgeräten weiterzuentwickeln.

Deutschland ist in höchstem Maße auf den Import von Rohstoffen angewiesen. Und der weltweite Zugriff auf industrielle Rohstoffe nimmt rasant zu. Dabei profitieren bereits heute industrielle Wettbewerber aus rohstoffreichen Ländern von günstigeren Einkaufspreisen und geringeren Umweltauflagen. Als Alternative zum Rohstoffimport steigt das Bestreben, Kreisläufe durch Recycling zu schließen. Die deutsche Wirtschaft setzt insgesamt bereits heute 14 Prozent Sekundärrohstoffe ein. In der Raffinade- oder Rohstahlproduktion stammen mehr als 60 Prozent des Aluminiums, ca. 43 Prozent des Kupfers sowie rund 45 Prozent des Rohstahls aus sekundären Quellen. Edelmetalle wie Gold, Silber, Palladium sowie seltene Erden werden immer unverzichtbarer für moderne Zukunftstechnologien. Bedingt durch den rasanten Bedarf an Flachbildschirmen oder Touchscreens gehen Experten bereits heute von einem höheren Bedarf gegenüber der Primärproduktionsmenge aus. Dieser soll sich bis 2030 sogar auf den Faktor 3,29 erhöhen. Und andere Technologien ziehen mit. Die wachsende Solarwirtschaft benötigt für die aktuelle Dünnschichttechnologie eine Reihe seltener Metalle wie Gallium, Selen oder Tellur. Moderne Glasfaserkabel funktionieren nur mit Germanium. Elektro- und Hybridantriebe in Automobilen benötigen große Mengen Kupfer oder Neodym. Experten gehen davon aus, dass bei diesen Stoffen langfristig mit Versorgungsengpässen zu rechnen ist.
Autor(en)
Dipl.- Ing Andreas Habel
Contentpartner
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH
Publikation
26. Kasseler Abfall- und Bioenergieforum (2014) (April 2014)
Verkaufspreis
€ 5,00 oder im Premium-Abonnement enthalten