Perspektiven der Abfall- und Kreislaufwirtschaft in Europa

Bevor über Perspektiven gesprochen wird, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Begriffe Abfall und Wirtschaft. Frei nach Brockhaus ist Wirtschaft objektiv die Gesamtheit der Einrichtungen und Maßnahmen, die der Überwindung der Spannung zwischen Bedarf und Bedarfsdeckung dienen. Subjektiv äußert sie sich als das Wirtschaften der Menschen in ihrem planmäßigen und effizienten Entscheiden über knappe Ressourcen. Wirtschaft und Wirtschaften können daher, vereinfacht gesagt, als intelligenter Umgang mit knappen Ressourcen verstanden werden.

Der Begriff der Kreislaufwirtschaft stützt sich auf die Erkenntnis, dass in einer Welt endlicher Rohstoffe nur Produktionsverfahren mit einem stofflichen Kreisschluss unbeschränkt fortgeführt werden können. Ähnlich dem Stoffkreislauf in der Natur, einem ständigen Wechsel von Aufbau und Verfall, soll Kreislaufwirtschaft idealerweise ohne unverwertbare Abfälle und ohne Emissionen auskommen. Auf der Ebene des Europäischen Abfallrechts tauchen zwar die genannten Begriffe selbst nicht auf, dennoch finden sie ihren Ausdruck in dem Postulat der Ressourceneffizienz und der Ressourcenschonung. Es scheint mir plausibel, dass die Begriffe Wirtschaft und wirtschaften nicht gleichzusetzen sind mit der Herstellung von so vielen Gütern wie möglich und um jeden Preis. Zumindest das Verb „wirtschaften“ beinhaltet eine subjektiv wertende Komponente, die Ressourceneffizienz voraussetzt. Verhalten sich aber moderne Industriegesellschaften heute nicht gerade so, als ob es um nichts anderes ginge, als so viel wie möglich zu produzieren? Es kann nicht richtig sein, einen möglichst großen Bedarf nach Produkten zu stimulieren und die Folge des allmählichen Aufzehrens der natürlichen Ressourcen der Erde und die mit ihr unabdingbar verbundene Klimaveränderung künftigen Generationen zu überlassen.
Autor(en)
Prof. Dr. jur. Helmut Maurer
Contentpartner
© Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH
Publikation
25. Kasseler Abfall- und Bioenergieforum (2013) (März 2013)
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