Doping und Dopingbekämpfung in der Bundesrepublik Deutschland; Teil II
Kritische Diskussion des Berichts der Bundesregierung zur Evaluation des Gesetzes zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport (DBVG) und Fazit unter Berücksichtigung von weiteren gesellschaftlichen Formen des Dopings
Der Bericht der Bundesregierung, der zeigen soll, dass tatsächlich die „Gesetzesänderungen … zu einer spürbaren Verbesserung der Intensität und Effektivität der Strafverfolgung“ geführt haben, verschweigt die Tatsachen nicht, die auf seine Schwächen verweisen: Umfassendes und ausreichendes Zahlenmaterial für eine qualitativ aussagekräftige Rechtstatsachenforschung und Rechtsfolgenabschätzung lagen zum Berichtszeitpunkt noch nicht vor. Ursächlich dafür sind sowohl die unzureichenden Erfassung einschlägiger Verfahren im Untersuchungszeitraum als auch der hohe Prozentsatz nicht abgeschlossener Ermittlungsverfahren. Entgegen der Darstellung des Berichts belegen die angeführten Zahlen keinen Erfolg des DBVG, insbesondere kann von einem nachgewiesenen Erfolg in der Bekämpfung des Dopings im Spitzen- und Hochleistungssport nicht die Rede sein. Eine Aufhellung des Dunkelfelds des Dopings und Arzneimittelmissbrauchs in der Bodybuildingszene und in den Fitnessstudios dürfte allerdings erfolgt sein, wobei die aufgezeigte Uneinheitlichkeit hinsichtlich der Behandlung des einfachen Besitzes als den Anfangsverdacht des Besitzes nicht geringer Mengen begründendes Indiz Fragen aufwirft. Hohe Einstellungsquoten, die entsprechenden vom Steuerzahler zu tragenden Verfahrenskosten und der dadurch entstehende Eindruck misslingender und wenig aussichtsreicher Dopingbekämpfung sind die Folgen gesetzgeberischer Maßnahmen, die man, weil sie aufgrund skandalträchtiger und medial umfassend erörterter Dopingtaten im Spitzensport erfolgt sind, insbesondere dann als gesetzgeberischen Schnellschuss wahrnehmen kann, wenn die gesetzesvollziehenden Institutionen nicht hinreichend geschult und eingearbeitet wurden.
Autor(en)
Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Markus Parzeller, Sabina Prittwitz, Prof. Dr. Cornelius Prittwitz
Contentpartner
© Lexxion Verlagsgesellschaft mbH
Publikation
StoffR 03 / 2013 (Juli 2013)
Verkaufspreis
€ 25,00