Die integrierte Versorgung im Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) – Gesetzliche Krankenversicherung

Das Gesundheitswesen der Bundesrepublik Deutschland gilt im weltweiten Vergleich als eines der besseren und sozialeren. Die gesetzliche Krankenversorgung sichert basierend auf den Prinzipien Solidarität, Subsidiarität, Selbstverwaltung und Gleichbehandlung eine umfassende medizinische Versorgung der Bevölkerung.1 Ein solch gut entwickeltes und soziales Gesundheitssystem hat seinen Preis. Neben den USA und der Schweiz ist das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland eines der teuersten weltweit.2 In den letzten Jahren kam es zu einem stetigen Anstieg der Kosten, der auch mit dem Begriff der „Kostenexplosion“3 im Gesundheitswesen beschrieben wird.

Demographischer Wandel, der Anstieg chronischer Erkrankungen, zunehmendes Anspruchsdenken der Patienten bei der medizinischen Versorgung und medizinische Innovationen sind nur einige Aspekte, die zum Kostendruck im öffentlichen Gesundheitswesen beitragen und auch zukünftig beitragen werden.4 So steigen die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen5 stetig an (2003: 131,16 Mrd. €; 2007: 144,43 Mrd. €; 2010: 164,96 Mrd. €)6. An der Spitze dieser Ausgaben stehen die Leistungsbereiche Krankenhausbehandlung mit 35,24 % der Kosten (58,13 Mrd. €), gefolgt von der Arzneimittelversorgung mit 18,30 % (30,18 Mrd. €) und der ambulanten ärztlichen Behandlung mit 16,42 % (27,13 Mrd. €) in 2010.7 Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass der Gesundheitssektor in der Bundesrepublik Deutschland einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor darstellt. Die Zahl der Beschäftigten in der Gesundheitsbranche wird für 2009/2010 mit 4,7 bis 4,9 Mio. bei erwarteten erheblichen Steigerungen in den nächsten Jahrzehnten angegeben.8 Der prozentuale Anteil der Gesundheitswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt beträgt 11 % und soll bis 2030 auf 13 % steigen. Gleichzeitig wird auf einen sich für die nächsten Jahre noch ausweitenden Ärztemangel hingewiesen, der gerade in ländlichen Regionen zu einer gravierenden Unterversorgung führen kann.10 Trotz des wirtschaftlichen Potentials führen sowohl die Kostensteigerungen als auch die beschränkten finanziellen Ressourcen sowie die Kritik an der Qualität der Patientenversorgung seit geraumer Zeit dazu, über Änderungen bei der Organisation der medizinischen Versorgung nachzudenken. Obwohl für das deutsche Gesundheitssystem hohe Ausgaben getätigt werden, wird dessen Effektivität, Effizienz und Qualität im europäischen Vergleich in Frage gestellt.11 Nach allgemeiner Auffassung wird als ein Grund für die bestehenden Defizite die im deutschen Gesundheitssystem vorherrschende sektorale Trennung in die ambulante, stationäre und rehabilitative Behandlung gesehen. 12 Ungenügende Koordination zwischen den unterschiedlichen Sektoren wird zudem als Hauptursache für medizinische Behandlungsfehler beschrieben.13 Da sich sowohl medizinische Fehlbehandlungen als auch ineffiziente Arbeitsweisen gesundheitsökonomisch nachteilig auswirken, erwartet man von einer Koordination im sektoralen Schnittstellenbereich einerseits eine qualitative andererseits eine ökonomische Verbesserung.
Autor(en)
Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Markus Parzeller
Contentpartner
© Lexxion Verlagsgesellschaft mbH
Publikation
StoffR 05 / 2011 (Oktober 2011)
Verkaufspreis
€ 25,00